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Digitale Souveränität: Warum der Umgang mit Daten und Algorithmen zur Führungsaufgabe wird

Die Diskussion über digitale Souveränität hat sich spürbar verändert. Was lange als abstraktes Schlagwort, reine Symboldebatte mit hohem Aufregungswert oder als rein regulatorisches Thema galt, ist heute Teil ganz konkreter unternehmerischer Entscheidungen. Viele Organisationen stehen vor Fragen, die den Kern ihres Geschäfts betreffen: Worin bestehen unsere geschäftskritischen Daten? Haben wir jederzeit Zugang dazu? Können wir jederzeit die Technologien einsetzen, die wir für unsere Differenzierung im Markt unbedingt benötigen? Und können wir uns dabei immer verlässlich in einem stabilen Rechtsrahmen bewegen? Können wir „Souveränität“ überhaupt aktiv managen?

Die Diskussion über digitale Souveränität hat sich spürbar verändert. Was lange als abstraktes Schlagwort, reine Symboldebatte mit hohem Aufregungswert oder als rein regulatorisches Thema galt, ist heute Teil ganz konkreter unternehmerischer Entscheidungen. Viele Organisationen stehen vor Fragen, die den Kern ihres Geschäfts betreffen: Worin bestehen unsere geschäftskritischen Daten? Haben wir jederzeit Zugang dazu? Können wir jederzeit die Technologien einsetzen, die wir für unsere Differenzierung im Markt unbedingt benötigen? Und können wir uns dabei immer verlässlich in einem stabilen Rechtsrahmen bewegen? Können wir „Souveränität“ überhaupt aktiv managen?

Bei Atos erleben wir diese Fragen täglich im Austausch mit Unternehmen aus Industrie, öffentlichem Sektor und regulierten Branchen. Digitale Souveränität ist dabei selten ein isoliertes Ziel. Sie ist vielmehr ein Rahmenwerk von Fähigkeiten, welches hilft, digitale Entwicklungen bewusst zu gestalten, kritische Abhängigkeiten proaktiv zu managen und auch unter veränderten Bedingungen verlässlich zu bleiben.

Was digitale Souveränität bedeutet – und was nicht

Digitale Souveränität wird oft missverstanden. Sie steht weder für vollständige Autarkie, Abschottung noch für technologische Eigenständigkeit um jeden Preis. Ebenso wenig geht es darum, bestehende Ökosysteme infrage zu stellen oder bewährte Plattformen pauschal zu ersetzen.

„Digitale Souveränität ist die Fähigkeit, kritische Abhängigkeiten in einer daten- und KI-getriebenen IT aktiv zu managen.“

Gemeint ist ein reflektierter Umgang mit kritischen Abhängigkeiten in der IT, deren Grundlagen und vielschichtigen Verbindungen: mit Daten, mit Plattformen und mit den rechtlichen Bedingungen, unter denen sie eingesetzt werden. Digitale Souveränität bedeutet, Zusammenhänge zu kennen, Abhängigkeiten einordnen zu können und Entscheidungen bewusst zu treffen, statt ihnen über Jahre hinweg stillschweigend zu folgen. Ich verstehe digitale Souveränität daher als Fähigkeit, Abhängigkeiten (auch komplizierte) zu erkennen, sie zu verstehen, in wichtigen Bereichen Wahlmöglichkeiten zu erhalten, selbstbestimmt zu entscheiden und Entwicklungen aktiv zu begleiten, statt später und vielleicht zu spät reagieren zu müssen.

Warum Data & AI im Zentrum der Souveränitätsfrage stehen

Daten sind heute ein zentraler Rohstoff für nahezu jedes Geschäftsmodell. Sie fließen durch viele Systeme, werden in unterschiedlichen Kontexten genutzt und prägen zunehmend operative Entscheidungen. Mit dieser wachsenden Bedeutung steigt auch die Verantwortung, diese Zusammenhänge transparent zu halten.

Gerade bei modernen KI-gestützten Anwendungssystemen wird deutlich, wie eng technische Grundlagen miteinander verflochten sind. In unseren Projekten sehen wir immer wieder: Je stärker diese Verflechtungen wachsen, desto wichtiger wird ein klares Verständnis darüber, wie Daten genutzt werden und welche technischen Grundlagen dahinterstehen.

Zukünftige Anwendungen werden KI viel intensiver nutzen als heute, werden meist ohne traditionelle Benutzeroberfläche, aber mit APIs und agentenbasierten Schichten als Schnittstellen ausgestattet sein und sich dynamisch auf personalisierte Benutzererfahrungen hin selbst optimieren. Diese Anwendungen werden kontinuierlich angepasst, sind auf sensible Datenbestände (wie domänenspezifische Daten und speziell trainierte KI-Modelle) angewiesen und erfordern ein automatisiertes Compliance-Management. Die Überwachung und automatisierte Umsetzung von Policies wird notwendig sein, um die geforderten Souveränitätsanforderungen jederzeit zu erfüllen und sicherzustellen – eine manuelle Sicherstellung der Compliance- und Security-Konformität im Zeitalter komplexer Multi-Cloud- und agentenbasierter, KI-gesteuerter IT ist nicht mehr möglich.

Souveränität erfordert daher konforme Anwendungs- und Infrastrukturarchitekturen sowie Sicherheitskonzeptionen, die einem neuen Paradigma folgen: Souveränität als Fähigkeit, kritische Abhängigkeiten in der IT aktiv zu managen, wird zu einer inhärenten Eigenschaft der Infrastruktur-, der Daten- und der Anwendungs-Plattform selbst – wir bei Atos nennen dies „Managed Sovereignity”, und unser „Atos Sovereign IT Stack” beschreibt und bietet genau diese konforme Plattformarchitektur zusammen mit den erforderlichen Services für das gesamte Kontinuum der Souveränitätsanforderungen.

Souveräne Systeme brauchen mehr als gute Leitlinien

Verantwortungsvoller Einsatz datenbasierter Technologien entsteht nicht allein durch Leitbilder oder Grundsatzpapiere. Er braucht tragfähige Strukturen – technisch wie organisatorisch. Dazu gehören klare Verantwortlichkeiten und Architekturen, die von Anfang an tragfähig angelegt sind.

Bei Atos setzen wir deshalb auf flexible Modelle, die sich an unterschiedlichen Anforderungen orientieren. Sensible Anwendungen benötigen andere Rahmenbedingungen als standardisierte Prozesse. Diese Differenzierung ist entscheidend, um Innovation zu ermöglichen und gleichzeitig Verlässlichkeit zu schaffen.

Cloud als Enabler – und warum bewusste Gestaltung entscheidend ist

Cloud-Technologien haben die digitale Entwicklung vieler Unternehmen beschleunigt. Sie bieten Skalierbarkeit, Zugang zu neuen Funktionen und eine hohe Dynamik. Diese Vorteile sind unbestritten und bleiben zentral für moderne IT-Landschaften.

Gleichzeitig entstehen komplexere Abhängigkeiten im Betrieb. In unserer Arbeit sehen wir, dass digitale Souveränität hier vor allem eines bedeutet: bewusste Gestaltung des gesamten Infrastruktur-Kontinuums, von der Public Cloud bis hin zu „on-premise“ Private-Clouds. Wer seine Infrastruktur- und insbesondere seine Multi- bzw. Hybrid-Cloud-Landschaft gezielt aufbaut und weiterentwickelt, kann flexibel bleiben und Optionen offenhalten.

Für uns ist die Cloud deshalb kein Entweder-Oder, sondern ein Gestaltungsraum, der Struktur und Übersicht braucht und im gesamten Spektrum der Infrastruktur-Optionen als wesentlicher Pfeiler unverzichtbar ist. Aber auch zukünftig wird es Anwendungen geben, die nicht in der Cloud laufen können oder sollen – Souveränität bedeutet, auch diese Anwendungen nahtlos in das Infrastruktur-Kontinuum so einzubinden, dass sie zusammen mit Clouds unter einem einheitlichen „Managed Sovereignty“-Layer gemanaged werden können.

Woran Unternehmen digitale Souveränität der IT konkret festmachen

In Gesprächen mit Kunden erleben wir häufig, dass digitale Souveränität grundsätzlich als relevant anerkannt wird. Was jedoch oft fehlt, ist ein klares Raster, um den eigenen Status realistisch einzuordnen. In der Praxis tauchen dabei immer wieder ähnliche Fragestellungen auf.

Typische Kriterien, anhand derer Unternehmen ihre Applikations-Stacks und darunter liegenden Infrastruktur-Umgebungen bewerten:

  • Transparenz: Ist nachvollziehbar, wo Daten verarbeitet werden, welche Systeme beteiligt sind und wie der operative Betrieb organisiert ist?
  • Beweglichkeit: Lassen sich Anwendungen und Daten bei Bedarf anpassen oder verlagern – ohne grundlegende Umbaumaßnahmen?
  • Abhängigkeiten: Wie stark ist die eigene IT-Landschaft an einzelne Plattformen, Services oder proprietäre Funktionen gebunden?
  • Betriebsrealität: Sind Verantwortlichkeiten, Sicherheitsanforderungen und Betriebsmodelle im Alltag klar geregelt – oder nur konzeptionell beschrieben?
  • Nachweisfähigkeit: Können regulatorische Anforderungen und Sicherheitsstandards konsistent belegt werden, ohne Sonderkonstruktionen zu schaffen?

Diese Fragen lassen sich selten mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten. Digitale Souveränität ist kein absoluter Zustand, sondern zeigt sich im bewussten Umgang mit genau diesen Punkten. Insbesondere die Frage der flexiblen Beweglichkeit von Daten und Applikationen spielt im KI-Zeitalter unter Souveränitätsaspekten eine führende Rolle – denn hier besteht die Notwendigkeit einer sehr engen Verbindung von Infrastruktur mit Daten, Modellen, Algorithmen und Plattformen, die nicht einfach separierbar sind und die sich über etliche Layer der üblichen IT-Schichten erstrecken.

Wo digitale Souveränität in der Praxis ins Stocken gerät

In der konkreten Umsetzung zeigen sich weniger technologische Grenzen als strukturelle Reibungspunkte. Typische Herausforderungen, die in Gesprächen immer wieder sichtbar werden, sind:

  • historisch gewachsene Landschaften mit begrenzter Übersicht
  • unterschiedliche Sicherheits- und Betriebslogiken je Plattform
  • verteilte Verantwortung ohne klare operative Verankerung
  • Kostenstrukturen, die bekannt sind, aber schwer steuerbar bleiben
  • Regulatorische Anforderungen, die punktuell erfüllt, jedoch nicht systematisch integriert sind

Gerade hier wird deutlich, dass digitale Souveränität nicht durch einzelne Maßnahmen entsteht, sondern durch Struktur, Klarheit und konsequente Entscheidungen im Betrieb.

Von regulatorischen Anforderungen zu unternehmerischem Mehrwert

Regulatorische Vorgaben sind ein wichtiger Auslöser der aktuellen Debatte. Doch digitale Souveränität entfaltet ihren eigentlichen Wert, wenn sie über reine Pflichterfüllung hinausgeht. Unternehmen, die ihre digitalen Grundlagen klar strukturieren, gewinnen Orientierung – intern wie extern.

Wir beobachten, dass daraus neue Spielräume entstehen – etwa für Zusammenarbeit und die Weiterentwicklung des Geschäfts. Klare Strukturen helfen dabei, den Blick für Aufwand und Risiken zu schärfen. Digitale Souveränität wirkt damit stabilisierend, nicht als Einschränkung, sondern als Grundlage für langfristige Entscheidungen.

Wie Unternehmen pragmatisch starten können

Digitale Souveränität lässt sich nicht verordnen und nicht in einem Schritt erreichen. Sie beginnt mit einfachen, aber ehrlichen Fragen: Welche Daten und Anwendungen sind für unser Geschäft besonders relevant? Wo bestehen heute starke Bindungen und kritische Abhängigkeiten? Und wo brauchen wir mehr Beweglichkeit für unsere wichtigsten Daten- und Anwendungen?

Aus unserer Erfahrung ist ein differenzierter Ansatz entscheidend. Nicht jeder Bereich erfordert denselben Grad an Absicherung oder Gestaltungsfreiheit. Wichtig ist, Prioritäten zu setzen und den eigenen Weg schrittweise zu entwickeln.

Fazit: Eine Führungsaufgabe in einer datengetriebenen Wirtschaft

Digitale Souveränität ist keine technische Randfrage. Sie berührt die Art und Weise, wie Unternehmen entscheiden, investieren und sich weiterentwickeln. Gerade in einer Wirtschaft, in der Daten und automatisierte Verfahren eine immer größere Rolle spielen, wird sie zu einer Aufgabe auf Führungsebene. Bei Atos sehen wir digitale Souveränität deshalb nicht als Zielbild, sondern als kontinuierliche Aufgabe. „Managed Sovereignty“ schafft Orientierung in einer komplexen digitalen Welt – leise, pragmatisch und mit Blick auf das, was langfristig trägt.

Veröffentlicht am 28.01.2026

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